Berichte

Dokumentationen unserer Bergungseinsätze und Identifizierungen

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Bergungseinsatz bei Kodersdorf
📍 Kodersdorf / Niesky, Sachsen 📅 März 2008

Bergungseinsatz in Kodersdorf

Im Frühjahr 2008 erreichte den VKSVG ein Hinweis eines Bürgers aus Niesky: In seinem ehemaligen Garten seien während der letzten Kriegstage 1945 zwei deutsche Soldaten begraben worden. Jahrzehntelang hatte niemand nach ihnen gesucht.

Sieben Vereinsmitglieder reisten an und versammelten sich am frühen Morgen am Einsatzort – einer unscheinbaren Rasenfläche in einem Wohngebiet. Was von außen wie ein gewöhnlicher Garten aussah, barg eine vergessene Geschichte.

Die Grabung begann vorsichtig mit Handwerkzeugen. In etwa einem Meter Tiefe stießen die Helfer auf erste Knochenfragmente sowie eine deutsche Gasmaske aus der Kriegszeit. Allerdings deuteten Spuren darauf hin, dass eine frühere Elektrokabelverlegung die ursprüngliche Grablage bereits vor Jahrzehnten gestört hatte. Teile der sterblichen Überreste waren verlagert worden, ohne dass die Arbeiter damals erkannt hatten, was sie bewegten.

Während der Mittagspause ereignete sich ein Zufall, der die Arbeit des Tages erweiterte: Ein weiterer Anwohner sprach das Team an und berichtete, dass auch in seinem Garten, nur wenige Häuser weiter, zwei Soldaten begraben sein könnten. Ein Muster, das sich in vielen Orten Ostdeutschlands wiederholt – hastige Bestattungen in den letzten Kriegstagen, die in der Nachkriegszeit in Vergessenheit gerieten.

Besonders erschütternd war die Erkenntnis, dass die Gemeinde von den Gräbern nichts wusste. Die Soldaten waren ohne offizielle Erfassung begraben und nie als Kriegsopfer registriert worden. Ohne den Hinweis des Bürgers und die Arbeit des VKSVG wären sie für immer namenlos geblieben.

Im Anschluss an die Bergung pflegte das Team drei deutsche Kriegsgräberstätten in der Region Niesky – eine Arbeit, die der Verein regelmäßig und ehrenamtlich durchführt, um die Erinnerung an die Gefallenen wachzuhalten.

Mehlsack, Ostpreußen – historische Aufnahme
📍 Mehlsack (Pieniężno), Ostpreußen 📅 April 2007

Sohn und Enkel finden das Grab nach 62 Jahren

Albert Pfund, geboren 1906 in Chemnitz, wurde am 25. Mai 1943 zur Wehrmacht eingezogen und diente bei den Panzerverbänden. Am 7. Februar 1945 erlag er in Mehlsack, Ostpreußen, den Folgen einer schweren Granatsplitterverletzung. Er wurde 38 Jahre alt.

Die Gefallenenmeldung, die seine Familie hätte erreichen sollen, kam nie an. Wie unzählige andere Benachrichtigungen wurde sie während des Transports durch Kriegseinwirkungen zerstört. Für die Familie begann ein jahrzehntelanges Warten ohne jede Gewissheit.

Im April 2007 – 62 Jahre nach dem Tod seines Großvaters – wandte sich der Enkel an den VKSVG. Die Vereinsmitglieder begannen mit der systematischen Recherche: Über die militärische Kennnummer -1564- konnte die Identität zweifelsfrei bestätigt werden. Die Auswertung von Archivmaterial und Gefechtskarten ergab, dass Albert Pfund in einem Massengrab zusammen mit über 300 weiteren Gefallenen am ehemaligen Lehrerseminar in Mehlsack bestattet worden war.

Für die Familie war diese Nachricht nach über sechs Jahrzehnten ein Moment der Erleichterung und der Trauer zugleich. Endlich hatten sie einen Ort, an dem sie ihres Angehörigen gedenken konnten. Der Fall zeigt, wie wichtig die Arbeit des VKSVG auch Jahrzehnte nach Kriegsende noch ist – und wie viele Familien bis heute auf Antworten warten.

Bergung in der Steiermark
📍 Mönichwald, Steiermark 📅 2014 – 2016

24 Gefallene in der Steiermark geborgen

Im Herbst 2014 erreichte den VKSVG ein außergewöhnlicher Hinweis: Eine Frau, die 1945 als Kind aus Ostpreußen in die Steiermark geflüchtet war, berichtete von Soldatengräbern in einem Waldgebiet bei Mönichwald. Als Kind hatte sie beobachtet, wie gefallene Soldaten von Einheimischen hastig begraben wurden – ein Bild, das sie ein Leben lang nicht losließ.

Die Vereinsmitglieder reisten nach Österreich und begannen mit der systematischen Erkundung des beschriebenen Gebiets. Mithilfe von Bodenradar und Metalldetektoren konnten zunächst mehrere Anomalien im Waldboden identifiziert werden. Die anschließenden Grabungen bestätigten den Verdacht: An mehreren Stellen fanden sich sterbliche Überreste.

Insgesamt konnten 24 gefallene Soldaten lokalisiert und geborgen werden. Die forensische Untersuchung ergab, dass es sich sowohl um deutsche als auch um sowjetische Soldaten handelte – Feinde im Krieg, im Tod vereint in demselben Waldboden.

Im April 2016 fand in Mönichwald eine feierliche Beisetzung statt, an der zahlreiche Vertreter regionaler Organisationen, Behörden und des österreichischen Bundesheeres teilnahmen. Der nicht identifizierte Wehrmachtssoldat erhielt militärische Ehren – ein würdiger Abschluss für einen Mann, dessen Name bis heute unbekannt ist.

Parallel dazu wurden etwa 30 sowjetische Kriegsopfer exhumiert, die in einem nahegelegenen Obstgarten begraben worden waren. Eine 92-jährige Zeitzeugin lieferte entscheidende Hinweise. Die Identifizierung erfolgte über russische Archive. Zunehmend häufiger wenden sich russische Bürger an den VKSVG, um Informationen über Angehörige zu erhalten, die 1945 in Österreich gefallen sind.

Historischer Einzahlschein
📍 Nähe Stalingrad, Russland 📅 Identifizierung nach 62 Jahren

Ein verblasster Einzahlschein gibt einem Soldaten seinen Namen zurück

Bei der Bergung sterblicher Überreste in der Nähe des ehemaligen Stalingrad fand sich in der Uniformtasche eines Gefallenen ein stark verwittertes Stück Papier. Auf den ersten Blick schien es unlesbar – der Zettel war über sechs Jahrzehnte den Elementen ausgesetzt gewesen.

Doch die Spezialisten des VKSVG gaben nicht auf. Unter UV-Licht und mit digitaler Bildbearbeitung gelang es, Fragmente einer Handschrift sichtbar zu machen. Es handelte sich um einen Einzahlschein – eine Quittung über eine Geldüberweisung, die der Soldat offenbar kurz vor seinem Tod in der Tasche getragen hatte.

Buchstabe für Buchstabe konnten ein Name, ein Datum und ein Ort rekonstruiert werden. Die anschließende Recherche in deutschen Archiven bestätigte die Identität: Der Soldat war seit 1943 als vermisst gemeldet. Seine Familie hatte nie erfahren, wo und wie er gestorben war.

Nach 62 Jahren konnte der VKSVG die Angehörigen kontaktieren. Für die Kinder des Gefallenen – inzwischen selbst hochbetagt – war es ein Moment, der Jahrzehnte des Wartens beendete. Sie erhielten Gewissheit über das Schicksal ihres Vaters und einen Ort, an dem sie seiner gedenken konnten.

Dieser Fall zeigt eindrucksvoll, dass auch kleinste Fundstücke – ein verblasstes Papier, ein verbogener Ring, eine zerbrochene Erkennungsmarke – den Schlüssel zur Identifizierung eines Gefallenen bilden können. Jeder Fund verdient sorgfältige Untersuchung.

Haben Sie Hinweise?

Kennen Sie Grablagen, haben Sie Zeitzeugenberichte oder historische Dokumente? Jeder Hinweis kann helfen.